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Wasser

Wasser ist ein wichtiges Thema an der Floating University Berlin.

Floating University stellt eine städtische Wasserinfrastruktur vor, die sich auf die Beteiligung der Öffentlichkeit bezieht.

Wie wird sich unser Leben ändern, wenn sich unsere Beziehung zu Wasser verändert?

WASSERZYKLEN

 

Ein grundlegendes Paradigma in unserer Forschung an der Floating University ist die Nachahmung der Wasserkreisläufe von Mutter Erde, anstatt die linearen Abwasserrohre des Großunternehmers nachzuahmen. Wasser wird nicht unter die Straßen fallen wie Müll in die Deponien. Vielmehr fließt das Wasser den Abfluss hinunter, wird organisch gefiltert und schießt dann erneut aus dem Ausguss heraus.

Die Floating University befindet sich in einem verschmutzten Regenwasserbecken im städtischen Berlin. Ihre öffentliche Pädagogik: Seminare, Workshops, Diskussionen, Wasserfiltersysteme, Wasserpraktiken und Aufführungen, nachdenken über unseren Platz im Wasserkreislauf.

Technologie ist nur ein Teil der Antwort auf unsere Herausforderungen mit Wasser. Was fehlt, ist unsere Beziehung zum Wasser.

 

 

WASSERQUALITÄTEN

 

An der Floating University haben wir vier verschiedene Arten von Wasser, mit denen wir experimentieren können: Regenwasser, Beckenwasser, Grauwasser und Schwarzwasser.

— REGENWASSER —

Das Regenwasser stürzt aus einer Höhe von 6 Kilometern. Auf seinem Abstieg durch die städtische Atmosphäre absorbiert es Feinstaub, Schwefeldioxid und Stickoxide. Dieses verunreinigte Regenwasser läuft von den Dächern der Universitätsgebäude und Trichter durch ein Sammelsystem zur Wiederverwendung ab.

— BECKENWASSSER —

Das Beckenwasser stammt aus Regenwasser, das auf dem Flughafengebäude, dem Flugplatz und der Columbiadammstraße landet. Gegenwärtig fließt dieses Tonikum aus Automobilöl, vulkanisiertem Gummi, Zigarettenchemikalien und Müll in unser großes, offenes Becken, in dem die Floating University „schwimmt“ und von dort dann durch das Kanalsystem hindurch in die Spree hinein.

— GRAUWASSER —

Grauwasser ist Wasser, das „schmutzig“ wird, wenn es benutzt wird. Es gibt verschiedene „Schattierungen“ von Grauwasser. Zum Beispiel ist Grauwasser aus unserer Offshore-Küche mit Schmiere, Fett und Lebensmittelpartikeln beladen, während Grauwasser vom Händewaschen im Badezimmer mit E. coli-Bakterien durchsetzt ist.

— SCHWARZWASSER —

Das Schwarzwasser ist das köstlichste. Durch die Interaktion des Toilettenwassers mit menschlichen Ausscheidungen erzeugt, ist Schwarzwasser voller Nährstoffe für Pflanzen und Krankheitserreger. Man kann die aerobe Zersetzung nutzen, um Schwarzwasser in Dünger zu verwandeln, und die anaerobe Zersetzung, um Methangas zum Kochen zu erzeugen.

 



WASSERFILTERUNGSSYSTEM

 

Im Jahr 2018 bauten wir ein Wasserfiltersystem in dem Becken. Durch eine Reihe von biologischen Filtern nutzte die University das Wasser, um ihren Bedarf zu decken – und verwendete es dann  wieder, um diesen abermals zu decken:

An der Floating University werden experimentelle Wassersysteme auf allen möglichen Wegen gebaut. Das Wasser fließt die Labortreppe hinunter und schlängelt sich durch eine Reihe von biologischen Filtern. Dann gelangt das gefilterte Wasser in die Küche der University, das Badezimmer, das Auditorium und das Gewächshaus.

Die Filter bestehen aus Pflanzen, Pilzen, Biofilmen, Sand, Aktivkohle, Muscheln und Bakterien. Sie befinden sich in einer „Spirale aus Badewannen“, einem „Membranfilter“ und einem „Wirbelbettreaktor“.

Die ‚Spirale aus Badewannen‘ besteht aus 9 Badewannen, die von der Decke des Laborturms hängen. Ein „Membranfilter“ wandelt Regenwasser in Trinkwasser um und stellt in der Spülküche Geschirrspülwasser zur Verfügung. Ein „Wanderbettreaktor“ filtert unser schmutziges Spülwasser zu Wasser, das sauber genug ist, um unser Gewächshaus zu bewässern, in dem 35 Tomatensorten aus ganz Europa angebaut werden.


Dieses System wurde 2018 dekonstruiert, da das Projekt zunächst nur für ein Jahr geplant war.

 

WASSER AUF EINEM BESCHÄDIGTEN PLANETEN

 

Während man in Gummistiefeln durch das belastete Wasser des Rückhaltebeckens spaziert, in dem Entenfamilien ihre Bahnen ziehen, könnte man meinen, sich in einem Bild eines zukünftigen Süßwasserlebensraums zu befinden. Wo verläuft die Linie, nach der man die Gummistiefel nicht mehr ausziehen darf? Wird es in der Zukunft eine Linie geben, nach deren Überschreiten wir Gummistiefel für Enten erfinden werden? Oder für den Fuchs?

Als die ersten Städte an Flüssen errichtet wurden, konnten die Bewohner*innen in ihnen schwimmen und sogar ihr Wasser trinken. Heute würde man vermutlich nach den meisten Schwimmerlebnissen in städtischen Gewässern an der Wasserverschmutzung erkranken. Das Regenwasserrückhaltebecken mag sowohl ein Zukunftsbild als auch einen Widerschein der Vergangenheit verkörpern. Die Floating University ist ein Ort, an dem Menschen zusammenkommen können um zu erforschen, wie wir weiterhin in gegenwärtigen Stadträumen leben können.

Wie können wir unsere Praktiken an den schnellen Wandel der Städte und des Planeten anpassen, um Wasser ergiebig und erschwinglich zu halten?
Wie könnte unsere Teilnahme an der städtischen Hydrologie die Gesellschaft in Richtung eines ökologischen Gleichgewichts anstoßen?

Die Städte, wie wir sie kennen, verändern sich. Ebenso wie der Planet und das Klima. Wasser ist ein Medium, das in gewisser Weise die Verkörperung des Wandels ist. “Sei wie Wasser” sagt Bruce Lee, “gestaltlos, formlos…wenn du Wasser in eine Tasse gießt, wird es zur Tasse. Wenn du Wasser in eine Teekanne gießt, wird es zur Teekanne.” Wandel ist unvermeidbar. Und dennoch unterliegt das Maß an Wandel, den dieser Planet durchschreitet, einer Geschwindigkeit, das die weite Mehrheit der Spezies nicht gewohnt sind. Störung ist ebenfalls ein integraler Bestandteil des Ökosystems: Stürme, Brände, Dürren. Und dennoch weist das gegenwärtige Ausmaß eine weitreichend höhere Frequenz auf als während vormenschlicher Zeiten: Bergbauindustrie, Holzgewinnung, Straßenbau, Brandunfälle, Abwasserüberflutungen, etc.; verursacht durch einen Mangel an Achtsamkeit und Zuwendung, den einheimische Stämme während präkolonialer Zeiten nicht ansatzweise erreichten. Die Mehrheit der Spezies, die diesen Planeten bewohnen, sind nicht an dieses Regime der Störung angepasst. Menschen sind Teil der Natur, aber wir haben das Volumen der Störung auf Stufe 11 hochgedreht. Vielleicht ist es jetzt an der Zeit, etwas sanfter zu werden.

Wie könnten wir anders leben, handeln und gestalten, wenn wir eine tiefere Beziehung zum Wasser haben?
Wie können wir radikale Träumer der Utopie sein und gleichzeitig unsere Füße auf dem Boden behalten, oder im Wasser, wie auch immer es sein mag?

 



KÜNSTLERIN IN RESIDENZ

 

Katherine Ball (Detroit, USA) ist die residierende Künstlerin für ‘Water Filtration and Infiltration’. Erreichbar ist sie über: water@raumlabor.net und heißt eure Kontamination willkommen.

 

WASSERZUKUNFT AN DER FLOATING UNIVERSITY – 2020 UND WEITER

 

Bleibt dran für weitere Informationen über das diesjährige Programm. 

Die Nutzungserlaubnis für die Floating wurde um 5 Jahre verlängert.

Die Floating University ändert ihren Namen aufgrund der deutschen gesetzlichen Bestimmungen für Universitäten.

 

ZU ERSCHEINENDES BUCH: WASSERLEXIKON

 

The Water Runs Through Us: a lexicon of water practices at Floating University Berlin / Das Wasser fließt durch uns: ein Lexikon von Wasserpraktiken an der Floating University Berlin

Dieses kommende Buch erzählt die Geschichte des organischen Wasserfiltersystems das im Eröffnungsjahr 2018 entwickelt wurde. Das Manuskript fließt durch Strategien und Anleitungen, mündliche Geschichten und Infrastrukturen. Das gemeinschaftliche Team, das sich zur Erstellung des Buches zusammensetzt, umfasst derzeit Katherine Ball (Sammlung von Inhalten und Text), Ted Marino (Text), Benoît Verjat und Alexis de Raphelis (visuelle Komposition), Felix Egle (Design), Gilly Karjevsky (Beratung), dpr-barcelona (Redaktion), Adocs (Verlag).

 

WASSERSTOFFVERBINDUNGEN

 

Viele Menschen beschäftigen sich an der Floating University mit Wasser. Ein besonderer Dank gilt denjenigen, die an der Gestaltung, dem Bau, der Programmierung und der Pflege der Floating University beteiligt waren:

Benjamin Foerster-Baldenius, Florian Stirnemann, Erwin Nolde, Holger Sack, Jose Ordonez, Gilly Karjevsky, Rosario Talevi, Licia Soldavini, Benoît Verjat, Alexis de Raphelis, Teresa Huppertz, Sarah Bovelett, Lorenz Kuschnig, Naïm Benyahya, Jeanne Astrup-Chauvaux, Carla Kienz, Serena Abbondanza, Paula Malherbe, Naama Ityel, Vilmos, Laura Raber, Daniel Seiffert, Lea Kirsche, Marjetica Potrc, Angie Chen, Yan Yan, Florian Gwinner,  und Raumlabor Architekten und assoziierte Schöpfer.

 

 










ARCHIV

 

WATER RITUALS AT CLIMATE CARE – 2019

Weil die Floating University so beliebt war, wurde sie 2019 weitergeführt. Ihr Hauptprogramm war Climate Care , ein zweiwöchiges Festival zur Erforschung des Klimawandels. Der Wasserteil des Programms „Avulsions of Social Constructions“ konzentrierte sich auf die Entwicklung einer Vision für (1) ein zukünftiges System der Wasserfiltration an der Floating University und (2) die Frage, wie die Floating University ein Ort sein könnte, an dem Menschen ihre Beziehung zum Wasser vertiefen können. Dazu gehörten Treffen mit Wissenschaftlern und ein Tag von Wasserritualen. Es handelte sich hierbei um offene Forschung: Die Workshop-Teilnehmer nahmen an Diskussionen mit Wissenschaftlern, an Wasserritualen, bei denen einerseits das Wasser im Körper aber auch der Körper vom Wasser bewegt wird, sowie an Diskussionen zur Entwicklung der Vision für eine zukünftige Serie von Ritualen und Wasserpraktiken an der Floating University teil.

 

Wasser Workshop Mediator*innen:
Jose Ordonez of Martin Membranes
Erwin Nolde and Holger Sack of Nolde & Partner Innovative Wasserkonzepte
Paula Malherbe (Ritual: Wasser im Körper bewegen)
Naama Ityel (Ritual: Von Wasser bewegt– Bewegungsforschungsübungen, die uns mit unserer flüssigen Seite verbinden)
Koordiniert und initiiert von Katherine Ball.

 

WASSERBAU – 2018