Ort

Das Regenwasserrückhaltebecken an der Lilienthalstraße 32 in Berlin Kreuzberg, in dem die Floating University entsteht, ist eine notwendige Infrastruktur der Stadt des 19. Jahrhunderts und bis heute in Funktion. Bei starken Regenfällen sammelt sich im Becken der Regen, der auf das Flughafengebäude Tempelhof, das Flugfeld und den Columbiadamm fällt, bevor er nach und nach ungefiltert in den Landwehrkanal geleitet wird. Dann wird das Becken zu einer nassen Oase, Heimat für zahlreiche Tierarten, versteckt im Zentrum der Stadt.

Die fast hundertjährige Existenz des Flughafens Tempelhof hat in der Nachbarschaft eine spezielle urbane Mischung mit Friedhöfen, Sportplätzen, Schrebergärten hervorgebracht. Die Umwandlung des Flughafens in eine öffentliche Freifläche ohne Lärm und Kerosingeruch und dessen Aneignung durch die BerlinerInnen, hat die Situation völlig verändert. Einerseits steigen hier die Immobilienpreise so schnell an, wie nirgends sonst in Berlin, andererseits werden ungeahnte Potentiale für die Zivilgesellschaft sichtbar.

Die geplante Bebauung wurde schnell als Methode erkannt aus den Potentialen der Fläche Profit zu schlagen. Daher haben die Bürger_innen begonnen für ihre Rechte gegen den Ausverkauf der Stadt zu kämpfen. Nach dem erfolgreichen Volksentscheid 2014 wurden dann mit dem Tempelhofgesetz jegliche Baupläne auf dem Flugfeld eingestellt. Seit dem wird an den Modalitäten der zukünftigen Nutzung, Verwaltung und Pflege gearbeitet, ein für Berlin neuer Modus der Betreiberschaft einer öffentlichen Freifläche ist in Entwicklung.

Was die einen – angeführt vom regierenden Bürgermeister – einen Stillstand in der Stadtentwicklung nennen, wird von vielen als Verteidigung des größten Berliner öffentlichen Raums beschrieben. In der Floating University suchen wir Wege, an Orten wie dem Tempelhofer Feld experimentelle Freiraumlabore für urbane Praxis zu etablieren, die sowohl unsere lokalen wir auch unsere globalen Krisen hinterfragen.

 

Adresse: Lilienthalstraße, 10965 Berlin-Kreuzberg

 

 

 

Die Konstruktion

Die Floating University erstreckt sich mit einer Vielzahl von Plattformen über das gesamte Becken. Der „Urban Forest“, eine mehrstöckige Holzkonstruktion, die ursprünglich vom japanischen Architekturbüro Atelier Bow-Wow für die Ausstellung „Wohnungsfrage“ im Haus der Kulturen der Welt entworfen wurde, sowie weitere Holz- und Gerüstkonstruktionen bilden den Universitätscampus. Stege verbinden über das Wasser hinweg Lernräume, Werkstätten, Toiletten, eine Küche, ein Auditorium, eine Bar und einen Laborturm. Die Struktur breitet sich wie eine Raumstation im Orbit über den Teich aus.

In der Mitte des Beckens befindet sich der Laborturm mit einem Wasserfiltrationssystem auf mehreren Stockwerken. Hier wird über den gesamten Zeitraum hinweg zu Aufbereitungsmöglichkeiten von Regen- und Brauchwasser experimentiert. Ein riesiges Wasserrad am Turm hält das Wasser im Herzen des Systems im Fluss und leitet es durch Filter aus Pflanzen, Biofilmen, Kies, Mantras, Seelsorge und kritischen Dialogen zu den Abnehmern: Toilettenspülung, Taufe, Heiligsprechung, Oberflächenreinigung, Gefahrenabwehr und Bewässerung des Gewächshauses. Um eine mobile, schwimmende Bühne herum ist das Auditorium ausgerichtet und bildet den zentralen Ort für die Diskussion und Vermittlung von Forschungsergebnissen. Die angrenzende Bar dient als Ort des Wissenstransfers, sie ist das Dokumentationszentrum entwickelt und betrieben von Studierenden des FG Visuelle Kommunikation der Weißensee Kunsthochschule. Die Küche ist der Ort des Austausches und der informellen Wissensproduktion, entwickelt und gecoached von Studierenden des UdK Berlin Space Production Studio mit Unterstützung des bauhaus Zukunftslabors.

 

360° Floating University

Wer sich vor dem Besuch bereits einen visuellen Einblick verschaffen möchte, kann sich diesen Film ansehen, der den Ort der Floating University auf 360° zeigt. Danke an Till Kind: